"Wir sollten unsere eigenen Schuldscheine ausgeben oder wenigstens verkünden, dass wir unsere eigene, an den Euro gebundene Währung einführen; wir sollten einen Schuldenschnitt an den griechischen Anleihen vornehmen, die seit 2012 von der EZB gehalten werden oder ankündigen, dies zu tun; und wir sollten die Kontrolle der Griechischen Zentralbank übernehmen. Wir haben das in einer kleinen Gruppe innerhalb des Finanzministeriums theoretisch, auf dem Papier ausgearbeitet. Aber es ist die eine Sache, das mit vier oder fünf Leuten zu machen, es ist etwas ganz anderes, ein Land darauf vorzubereiten. Um das Land darauf vorzubereiten, müsste eine Entscheidung der Regierungsspitze getroffen werden – und diese wurden nie getroffen. Das waren die drei Dinge, mit denen ich glaubte, auf eine Bankenschliessung in Griechenland durch die EZB reagieren zu können.
Ich habe das Kabinett davor gewarnt, dass dies passieren würde, einen Monat lang, dass sie die Bankenschliessung erzwingen, um uns eine demütigende Vereinbarung aufzudrängen. Als es passierte – und viele meiner Kollegen konnten nicht glauben, dass es passierte – war mein Vorschlag , »energisch« zu reagieren. Sagen wir mal, ich wurde überstimmt: Von sechs Leuten waren zwei dafür." new statesman
Offenbar ist 1941/1942 das Geldwesen im Gebiet der Zementfabrik Port Kunda (Estland) zusammengebrochen und die Zementfabrik hat ihre Lieferanten und Angestellten mit Kreditscheinen bezahlt. Nun geht der Angestellte damit zum Bäcker und der Bäcker überlegt sich, ob ihm dieser Schuldschein nützlich ist. "Brauche ich, einer meiner Angestellten oder Lieferanten Zement?" Und schüttelt bedauernd den Kopf und gibt kein Brot.
Das Gleiche in Griechenland, wenn statt Zementfabrik Griechischer Staat auf dem Schuldschein steht. "Habe ich, einer meiner Angestellten oder Lieferanten dem Staat etwas zu bezahlen? Ja, Steuern." Doch sind diese nie so hoch wie der Verkaufserlös aller Waren aus der Bäckerei und nach kurzer Zeit schüttelt der Bäcker, aber auch der Tankwart, der Hausverwalter etc. bedauernd den Kopf.
Lieber Yanis Varoufakis,
Ihre Idee, den Zahlungsverkehr über die Steuerkonten abzuwickeln ist genial!
So sind “auf Knopfdruck” Zahlungskonten und Buchgeld entstanden und miteinander verbunden und das Steueramt wird zur Monetative. Perfekt!
Yanis Varoufakis hatte nicht die Absicht, Schuldscheine aus dem Jahr 1941 in Griechenland einzuführen! Nein, er hatte die Absicht, Buchgeld zu schaffen. Buchgeld, das über die Steuerkonten zu allen Griechinnen und Griechen fliesst!
Die Idee von Yanis Varouvakis, den Zahlungsverkehr über die Steuerkonten zu führen, ist schlicht genial! Seine Überlegung war: Wie kann ich Geld von einem Konto zu einem anderen senden, wenn die Banken geschlossen sind? Indem ich die Steuerkonten verwende! Jede Person mit Sitz oder Wohnsitz in Griechenland hat beim Staat ein Konto und weil das Steuerregister für ganz Griechenland zentral verwaltet wird, sind so alle miteinander verbunden.
Liebes Steueramt,
sende Xaver 300 Euro.
Vielen Dank Yvonne
Liebes Steueramt,
buche allen Rentnern ihre Rente aufs Steuerkonto.
Vielen Dank das Finanzamt
So sind "auf Knopfdruck" Zahlungskonten und Buchgeld entstanden und miteinander verbunden und das Steueramt wird zur Monetative. Perfekt!
Um auch Bargeld auszugeben, weil die Griechen Bargeld lieben (und die an die Banken gebundenen Kreditkarten gesperrt sind), kann die Griechische Zentralbank nach wie vor Münzen prägen, denn dieses Recht hat sie, und dem Steueramt gegen Quittung aushändigen. Die Griechische Notendruckerei druckt Euronoten, die wie Euronoten aussehen, aber mit einem Verfalldatum versehen sind. Diese Noten können beim Steueramt (Steueromat) bezogen werden. Nach dem Verfalldatum sind die Noten, die wir GREuro nennen, nicht mehr gültig und können beim Steueramt vom Überbringer auf ein Konto gutgeschrieben werden.
Eine Währung zeichnet sich dadurch aus, dass sie im gesamten Währungsraum gesetzliches Zahlungsmittel zur Begleichung jeglicher Forderungen ist. Eine Parallelwährung ist zudem gleichwertig zur Hauptwährung. Es ist völlig einerlei, ob ich eine Geld-Forderung in Griechenland mit Euro oder GREuro oder mit Guthaben beim Steueramt bezahle.
Das Griechische Parlament muss lediglich einem Erlass zustimmen, dass GREuro und Guthaben beim Steueramt lautend auf Euro dem EURO gleichwertige gesetzliche Zahlungsmittel sind und Guthaben beim Steueramt eins zu eins von der Griechischen Zentralbank gegen EURO getauscht werden, sobald ein entsprechendes Abkommen mit der Europäischen Zentralbank geschlossen wurde.
Damit hat Griechenland den Grundstein für ein modernes, monetäres Finanzwesen gelegt.
Wir erleichtern die nachfolgende Diskussion über Plan-B, wenn wir die sieben wesentlichsten Denkrichtungen und Lebensformen sauber benennen:
Kapitalismus: Denkrichtung und Lebensform, die auf dem freien Unternehmertum basiert und dessen treibende Kraft das Gewinnstreben Einzelner ist, während die Arbeiter keinen Besitzanteil an den Produktionsmittel (am Unternehmen) haben. Kapitalist bezeichnet eine Person, deren Einkommen überwiegend aus Zinsen und Dividenden besteht.
Liberalismus: Denkrichtung und Lebensform, die Freiheit, Autonomie, Verantwortung und freie Entfaltung der Persönlichkeit vertritt und staatliche Eingriffe auf ein Minimum beschränkt sehen will.
Sozialismus: Denkrichtung und Lebensform, die auf gesellschaftlichen oder staatlichen Besitz der Produktionsmittel (Unternehmen) und eine gerechte Verteilung der Güter an alle Mitglieder der Gemeinschaft hinzielt.
Kommunismus: Denkrichtung und Lebensform, in der alle Produktionsmittel (Unternehmen) und Erzeugnisse (Güter) in das gemeinsame Eigentum aller Staatsbürger übergehen und in der alle sozialen Gegensätze aufgehoben sind.
Monetarismus: Denkrichtung und Lebensform, die besagt, dass in einer Volkswirtschaft der Geldmenge (d.h. der Menge des umlaufenden Bar- und Giralgeldes) überragende Bedeutung beigemessen werden muss und deshalb die Wirtschaft primär über die Geldmenge zu steuern ist.
Freiwirtschaft: Denkrichtung und Lebensform, die leistungslose Einkommen (Zinsen und Dividenden) ablehnt und auf den vollen Arbeitsertrag für die Arbeitenden hinzielt.
Anarchismus: Denkrichtung und Lebensform, die auf ein Zusammenleben ohne Staatsgewalt und gesetzlichen Zwang hinzielt.
Kurz zum Anarchismus: Anarchismus ist eine antiautoritäre Lebensform, wie wir das aus der antiautoritären Erziehung kennen. Interessant ist, dass bei diesem Gedankengut Frauen (Voltairine de Cleyre; Emma Goldman) führend mitwirken! Oder Hans A. Pestalozzi, der 1955 als persönlicher Sekretär von Gottlieb Duttweiler zur Migros kam und nach dessen Tod von 1966 bis 1979 das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) im zürcherischen Rüschlikon leitete, das er zu einer international bekannten Denkfabrik für Führungskräfte entwickelte. Als er bei seiner Suche nach Alternativen auf den Anarchismus stiess, und seine Ideen öffentlich publizierte - gipfelnd in seinem vielbeachteten Buch "Nach uns die Zukunft" -, wurde er vom damaligen Migros-Chef Pierre Arnold fristlos entlassen. Stell dir vor, die Schweiz hatte in den 1970er Jahren eine anarchistische Denkfabrik, eine politische Partei (LdU), eine Tageszeitung (Die Tat), eine Bank (Migrosbank), eine Mineralölgesellschaft (Migrol) und das grösste Detailhandelsunternehmen der Schweiz (Migros) unter einem Dach! Die Migros-Führung hat Ende der 1970er Jahre vieles zerstört und den Konzern auf den kapitalistischen Weg geschickt. Wie sähe die Schweiz, Europa heute aus, wenn der Migros-Konzern einen alternativen Weg gegangen wäre?
Greifen wir die Alternativen Freihandel, Monetarismus, Sozialismus und Anarchismus auf! Entwickeln wir Ideen, publizieren sie und setzen sie um, wenn wir an die Macht gelangen.
Unser Gedankengut ist:
die das Geld unten in der Breite ausgibt (Sozialismus) und oben mittels Negativzinsen abschöpft, um es unten wieder auszugeben (Monetarismus).
die leistungslose Einkommen* abbaut und damit die Wirtschaft befreit (Freiwirtschaft) - um dies zu erreichen soll einmalig ein Schuldenschnitt erfolgen wobei die Guthaben der Nicht-Banken vollständig erhalten bleiben und liquide Mittel (Geld) werden. Nach dem Schuldenschnitt sind Darlehen unmöglich und werden einerseits durch Beteiligungen und anderseits durch schuldfreies Geld ersetzt.
Danach sollen ergänzend Musterunternehmen (die Migros der 1960er Jahre!) - sogenannte kleine und mittlere Genossenschaften (KMG) - gefördert werden. Denn es muss uns bewusst sein: Wir brauchen (ethische) Unternehmen, denn nur die Unternehmen schaffen materiellen Wohlstand - von nichts kommt nichts, und wir können noch so lange schuldfreies Geld verteilen - wenn keine Güter und Dienstleistungen geschaffen werden, bringt das nichts. Und "wo es keine Arbeit gibt, gibt es keine Würde." Papst Franziskus.
* Der Kapitalist hat fünf Betätigungsfelder, um leistungslose Einkommen zu erzielen: Aktien, Häuser, Boden, Darlehen/Obligationen und Urheberrechte.
Was wir Zug um Zug abschaffen sind die Zwangsabgaben: Direkte Steuern, Mehrwertsteuern, Mediensteuern, Berufliche Vorsorge, Krankenkasse, Sozialabgaben. Die öffentliche Hand erhält Geld direkt von der Monetative, das sie in erster Linie für ergänzende soziale Leistungen einsetzt. Das Schulwesen einschliesslich der höheren Schulen und Universitäten soll an Musterunternehmen abgegeben werden, denn wir brauchen keine Staatsschulen, sondern antiautoritäre Lebensschulen (Migros-Klubschulen).
Womit wir, mit dem Adjektiv 'antiautoritär', beim Bedeutendsten sind, das wir abschaffen: Das Strafen. Niemand hat ein Recht, zu strafen. Wohl können wir uns verteidigen, auch die Polizei zu Hilfe rufen, aber danach ist Ruhe, die Auseinandersetzung beendet. Niemand hat ein Recht, nachzutreten, sich zu rächen, zu strafen! Es gibt keine Bussen, keine Gefängnisse und auch keine Untersuchungs-, Pfändungs- und Strafvollzugsbeamten mehr. Es gibt Friedensrichter, wenn zwei nicht klarkommen, und ihr Vorschlag ist eine Empfehlung.
Durch das Abschaffen von Zwangsabgaben und Strafen ergibt sich rasch ein schlanker Staat und das Anliegen des Liberalismus ist erfüllt. Womit eigentlich klar ist, dass der Liberalismus viel näher am Anarchismus als am Kapitalismus liegt.
Wir finden nichts Verwerfliches im Plan-B und sehen, dass sämtliche Parteien ihn ausführen können, denn wir haben liberale, soziale, christliche Parteien sowie viele Freischaffende, bedeutende Genossenschaften (Migros, Coop, Mobiliar, Raiffeisen etc.), viele Wohnbau-, Alp- und landwirtschaftliche Genossenschaften und viele anständige Betriebe. Natürlich muss alles noch im Detail ausgearbeitet werden und mit den Details ergeben sich vielleicht auch neue Einsichten.
Einsichten, zum Beispiel in das Darlehen: Das Darlehen ist das Grundübel der Gesellschaft (Papst Benedikt XIV 1745). Wie wir in Griechenland, Irland, Spanien, Portugal erlebt haben, vernichtet das Darlehen ganze Völker und unser Wirtschaftssystem beruht auf dem Darlehen! Doch mehr zum Darlehen in der nächsten montagsZeitung.
Ich bin wahnsinnig enttäuscht von der 180-Grad Wende der griechischen SYRIZA. Endlich, so dachte ich und dachten viele, wird der Kapitalismus aufgebrochen - und jetzt ist er härter als zuvor, alle Träume sind geplatzt.
Mir scheint die SYRIZA ist völlig unvorbereitet an die Macht gelangt, mit Parolen GEGEN das Establishment, ohne einen konkreten Plan. Nun, kritisieren ist immer einfach; anspruchsvoll ist es, Politik besser zu machen! Und da versagt die SYRIZA offensichtlich vollständig - als Oppositionspartei hätte sie die Troikamassnahmen in der Luft zerrissen und mit allen Mitteln bekämpft und heute, an die Macht gekommen, hat sie Angst, die Zukunft zu gestalten und setzt den Kapitalismus fort. Der Kapitalismus ist für die LINKEN, die GRÜNEN, die CHRISTEN, die LIBERALEN, für Deutschland, für die Schweiz aber auch die BRICS-Staaten alternativlos - und das kundgetan verlieren sie jede Hoffnung.
Es wird uns nichts gelingen, wenn wir nur gegen etwas sind - oder wie Friedrich Nietzsche sagte: "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein."
Wie vor der Schlange hocken wir, starren sie an und sie uns. Sie blickt in uns hinein und wir können nur "Schlange" denken - anstatt uns abzuwenden und anderes zu denken, denn die Schlange ist bedeutungslos! Der Kapitalismus ist ohne Bedeutung, wenn wir ihn nicht lange anblicken. Die Troika ist ohne Bedeutung, wenn wir ihr keine bemessen - es sind drei Männer und eine Frau, was soll's.
Doch komm, wir gehen baden, an den Strand, ist das herrlich! Und wir plaudern NICHT VON DER SCHLANGE, sondern von dem, was wir tun wollen, von den vielen Ideen und beginnen zu fragen, wie man sie umsetzen könnte.
Vorgestern habe ich das Buch "Der Energie-Irrtum - warum Erdgas und Erdöl unerschöpflich sind" wieder gelesen. Dabei kam die Idee, den Strom, den die Sonne sendet, als Strom auch zu nutzen! Also die freie Energie anzuzapfen statt selber mühsam Strom herzustellen und über Kupferleitungen in die Haushalte zu leiten. Das wäre interessant!
Gestern habe ich eine junge Frau getroffen, die einen Rot-Kreuz-Kurs machte und seit sieben Jahren im Altersheim in der Pflege arbeitet und nicht viel weniger verdient als eine Pflegerin mit Diplom. Auch die Arbeit im Altersheim wäre interessant! Ein sicheres Einkommen! Doch die junge Frau hat gekündigt und wird im Herbst mit ihrem Bruder auf dem Markt Dörrfrüchte verkaufen.
Heute habe ich gedacht: Ich gründe ein Institut oder einen Lehrstuhl für Monetarismus - "das Schöpfen und Rezyklieren von Geld zur Steuerung der Wirtschaft". Das wäre mega interessant! Wir packen die Lehre in einen Koffer - alles, was eine Region benötigt, um die Wirtschaft aufzubauen und zu steuern. Und ebenfalls heute habe ich gedacht: Ich gründe ein Institut für internationale Kommunikation - denn wir verstehen uns nicht!
Manchmal denke ich, ich sei verrückt! Doch scheinen mir die Ideen, die Träume das Schönste zu sein, und wenn sich ein Traum ausführen lässt, dann wird es noch viel schöner! Es gibt sie noch, die Menschen, die Träume haben - nicht Wünsche nach etwas, das es schon gibt, sondern Träume von etwas, das noch nicht ist. Kinder ... auch das ist ein grosser Traum von etwas, das noch nicht ist. Wir haben drei Kinder und alles ist viel schöner geworden!
Schreib mir deine Ideen, erzähl mir von deinen Träumen, lass andere teilhaben an dem, was dich beglückt, was sein könnte und noch nicht ist, noch niemand gesehen hat. Beginne mit: Heute habe ich gedacht, ich ...
Ja, beginn einfach! Gründe, was du gründen möchtest!
Dein This Bürge
INHALTSVERZEICHNIS
03.08.2015
"It is a clear strategy for influencing from Paris and from Rome,particularly from Paris, the kind of concessions towards creating a disciplinarian, Teutonic model of the eurozone." Yanis Varoufakis heute in [link]
Der Ausstieg aus dem Kreditwesen ist nicht einfach und viele Kräfte verhindern das hinter den Kulissen mit aller Macht. Doch Griechenland ist nahe am Ausstieg, der eigentlich nicht GREXIT sondern DEBT-EXIT heissen sollte und den Finanzmarkt tiefgreifend verändert.
03.08.2015
Deutschland hat einen ganz einfachen Plan und will, angeführt von TINA Merkel, mit ihren Überschüssen und den damit verbundenen Darlehen ganz Europa in die Schuldenfalle führen. Einmal in der Falle drin, können die Deutschen sich zurücklehnen und mehr und mehr von leistungslosen Einkommen leben - natürlich nicht alle Deutschen, nur die Crème de la Crème und ihre Freunde.
Gewiss muss Europa einen Plan-B haben und ausführen, sonst gehen die Länder und Menschen unter! Und Plan-B muss zwangsläufig einen Schuldenschnitt vorsehen und kann danach nicht wieder zum Kreditwesen zurück - zum Glück!
Super montagsZeitung!